Früher Knast, heute Kulturzentrum: das Klapperfeld. (Foto: Renate Hoyer)

Innenstadt-Rundgang

Die Altstadt und die Innenstadt sind die Keimzellen des heutigen Frankfurts. FR-Autor Fabian Böker hat sich dort umgesehen.

Wann wird die Altstadt fertig?

Die Altstadt wird von der Innenstadt umschlossen. Die Grenzen verlaufen zwischen Neuer Mainzer Straße und Untermainbrücke, Weißfrauenstraße, Großer Hirschgraben, Kleiner Hirschgraben, Holzgraben, Konstabler Wache, Kurt-Schumacher-Straße und Main. Die Altstadt ist dabei nicht irgendein Viertel. Es ist nicht nur der kleinste Stadtteil, sondern vor allem, so schreibt es die Homepage der Stadt, „die Keimzelle Frankfurts, viel älter als Goethe, Messe oder Börse“. Hier liegt der Ursprung der Stadt.

Doch während der Luftangriffe auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg Ende 1943 und Anfang 1944 wurde die Altstadt fast komplett zerstört. Ein Beispiel: Von den rund 2000 Fachwerkhäusern blieb nur ein einziges – das Haus Wertheym am Fahrtor – unbeschädigt. Das Quartier wurde nach dem Krieg teilweise rekonstruiert, die Diskussion über die Gestaltung zieht sich seit Jahrzehnten. Derzeit werden Häuser nachgebaut, als Teil der neuen Altstadt zwischen Dom und Römer. Deren Eröffnung ist für September 2018 vorgesehen. Dann soll es ein dreitägiges Fest geben. Was es dort später nicht geben soll: Gastro-Ketten, Handy-Shops oder Dönerläden.

Wie steht es um die Kleinmarkthalle?

Am 24. November 2006 schrieb die FR: „Die Sanierung der Kleinmarkthalle scheint konkret zu werden. Die Umbauarbeiten sollen 2008 beginnen und etwa acht Millionen Euro kosten.“ Mittlerweile liegen die Kosten bei rund 16 Millionen Euro, wie im vergangenen Sommer bekannt wurde. Wann es allerdings mit der Sanierung los geht, steht in den Sternen. „Vor Ende nächsten Jahres sicher nicht“, sagt Herbert Janicke, Geschäftsführer der städtischen Hafen- und Markt GmbH. Dabei ist die Sanierung dringend nötig. Die Haustechnik ist marode, die Strom- und Wasserleitungen sind veraltet, es fehlt an Kühlung und Brandschutz. Ganz allgemein ist auch zu wenig Platz für die 63 Händler. Immerhin: Die Toiletten wurden saniert. Und klar ist auch: Während der Sanierung – wann auch immer sie beginnt – soll die Halle geöffnet bleiben.

Was war und was ist das Klapperfeld?

Früher Knast, heute linkes Polit- und Kulturzentrum: So kann man den Wandel des Klapperfeldes zusammenfassen. Aber dahinter steckt eine spannende und wechselvolle Geschichte. 1886 wurde der Bau in der Klapperfeldstraße, mitten im heutigen Gerichtsviertel, fertiggestellt. Er diente fortan als Polizeigefängnis und damit, wie es die Initiative „Faites votre jeu!“ nennt, „bis zu seiner Schließung nach über 115 Jahren der Repression und Unterdrückung von Menschen.“
In der Nazi-Zeit wurden die Insassen gefoltert und von dort in die Konzentrationslager deportiert. Nach dem Krieg diente die Einrichtung als Abschiebegefängnis.

2008 schließlich formierte sich die Gruppe „Faites votre jeu!“, um für autonome Räume eines selbstverwalteten, unkommerziellen Zentrums zu kämpfen. Nachdem das leerstehende Jugendzentrum in der Varrentrappstraße besetzt wurde, bot die Stadt den Aktivisten den ehemaligen Knast an.

Der durchaus seltsamen Vorstellung, dass Linke nun in einem einstigen Gestapo-Gefängnis unterkommen, begegnet die Initiative unter anderem mit einer Dauerausstellung, in der sie die Geschichte des Klapperfeldes dokumentiert. Regelmäßig finden politische und kulturelle Veranstaltungen statt – gefeiert wird selbstverständlich auch. Die Ausstellung ist samstags von 15 bis 18 Uhr und während der Veranstaltungen geöffnet.
Weitere Infos hier.

Wo verlief die Judengasse?

Die Frankfurter Judengasse, das war mehr als 400 Jahre lang nichts anderes als das Ghetto für die jüdischen Bewohner der Stadt. 1462 mussten die ersten Juden auf Beschluss des Frankfurter Rats umziehen. Die Gasse lag außerhalb der Stadtmauer und verlief von der Konstablerwache entlang der Staufenmauer über die heutige Kurt-Schumacher-Straße bis zur Ecke Börneplatz/Battonnstraße, wo heute die Stadtwerke und das Jüdische Museum stehen. Die Judengasse war etwa 330 Meter lang, drei bis vier Meter breit, hatte drei Stadttore, die nachts sowie an Sonn- und christlichen Feiertagen geschlossen waren; die jüdische Bevölkerung war zu diesen Zeiten eingesperrt.

Waren es anfangs nur etwa 15 Familien, die dort lebten, stieg die Zahl auf rund 3000 Menschen an. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Judengasse in zwei Phasen abgerissen, die Bewohner siedelten in die nahen Häuser im Ostend um. 1882 wurde auf dem heutigen Börneplatz eine neue Synagoge eingeweiht, die in der Reichspogromnacht abgebrannt wurde. Als 1987 die Stadtwerke ihr neues Verwaltungszentrum an der Kurt-Schumacher-Straße errichten wollten, wurden Reste der alten Judengasse entdeckt. Nach langer Diskussion wurden diese Überreste als Museum Judengasse in den Neubau integriert.

Warum heißt das Fischerfeldviertel so?

Zwischen Battonnstraße und Main, im südöstlichen Teil der Innenstadt, da erstreckt sich das Fischerfeldviertel. Direkt südlich des Allerheiligenviertels. Früher, als Frankfurt noch ganz klein war, sich auf dem Gebiet der heutigen Innen- und Altstadt erstreckte und von einer Stadtmauer umgeben war, da lag das Gebiet des heutigen Fischerfeldviertels außerhalb der Stadt. Begrenzt von der Mauer und dem ihr vorgelagerten Wassergraben. Und so kamen die Fischer an der Stadtmauer an, blieben davor, warteten ihre Boote, luden ihren Fang um und flickten ihre Netze. Das sumpfige Gebiet wurde Ende des 18. Jahrhunderts trockengelegt und bebaut. Heute erinnert noch der Rechneigrabenweiher an die damalige Abgrenzung durch das Wasser.

Wo steht die Äquatorial-Sonnenuhr?

Der Äquator ist über 5000 Kilometer von Frankfurt entfernt. In der Innenstadt kann man ihm aber ganz nah kommen. Zwischen Alter Brücke und Ignatz-Bubis-Brücke, unterhalb der Schönen Aussicht, steht die Äquatorial-Sonnenuhr. Als diese 1951 eingeweiht wurde, galt sie als größte Sonnenuhr ihrer Art weltweit. Dabei ist ihre Eigenschaft als Sonnenuhr nur ein Teil. An ihr kann die Uhrzeit abgelesen werden, je nachdem, wie die Sonne steht. Das Ziffernblatt – dargestellt in Form von mehreren Ringen – liegt parallel zum Äquator, ein Polstab als Schattenwerfer parallel zur Erdachse. Darüber hinaus dient die aus Kupfer bestehende, von Uhrmacher Lothar M. Loske entworfene und von den Heddernheimer Metallwerken gefertigte Uhr als Weltzeituhr. Rund 200 Namen von Städten befinden sich auf einem Ring, der um die Polachse drehbar ist. Lustiges Detail: Den Namen Frankfurt hatte Loske vergessen. Er wurde nachträglich als Plakette angebracht.


Frankfurter Rundschau, 02.05.2017
Von Fabian Böker