Sommerfest zum 7-Jährigen der Initiative "Faites votre jeu" im ehemaligen Polizeigewahrsam im Klapperfeld. (Foto: Renate Hoyer)

Initiative »Faites votre jeu!«

Die Initiative „Faites votre jeu!“ („Macht euer Spiel!“) feiert ihr Sommerfest. Vor sechs Jahren hat die Kulturinitiative das „Klapperfeld“ bezogen.

Es ist ein emotionaler Moment. Gerade haben Anna und Sarah durch die Abschiebezellen im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld geführt, als ein Mann auf die beiden zutritt. Er erzählt, dass er selbst einmal in solch einer Zelle gesessen habe. Er muss unterbrechen, etwas trinken und sich das Gesicht waschen, wie er später erzählen wird, so nah rückt das Erlebte wieder.

Vor sechs Jahren hat die Kulturinitiative „Faites votre jeu!“ („Macht euer Spiel!) das „Klapperfeld“ bezogen. Es wurde von 1886 bis 2003 als Gefängnis genutzt. Von 1933 bis 1945 befand sich in dem Gebäude ein Gestapo-Gefängnis und von 1955 bis 2002 ein Abschiebeknast. „Wir hatten 2008 das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim besetzt“, erzählt Jörg von „Faites votre jeu!“. In dem damals leerstehenden Gebäude, das einstmals ebenfalls ein selbstverwaltetes Zentrum war, wollten die Aktivisten nun ihrerseits einen Ort für ihre Projekte etablieren. Allerdings wollte das die Stadt nicht dulden.

Maria, die damals schon dabei war, berichtet, dass die Initiative von der Kommune Alternativen angeboten bekommen hätte. „Zwei davon kamen aber überhaupt nicht infrage.“ Eine der Liegenschaften habe in einem Wohngebiet gelegen – schlecht, wenn es auch mal lauter wird.

Und so sei nur noch der „Knast“ übrig geblieben. „Das hat zu langen Debatten bei uns geführt“, erzählt Jörg. Einige Mitstreiter seien strikt dagegen gewesen, einen solchen „Ort der Repression“ zu beziehen. Die Initiative hat sich schließlich dafür entschieden, das ehemalige Gefängnis an der Klapperfeldstraße 5 zu nutzen. „Wir haben uns aber dazu verpflichtet, die Geschichte des Ortes aufzuarbeiten“, sagt Maria.

Richtige Entscheidung

Und so sei es im Rückblick die richtige Entscheidung gewesen: „Wären wir hier nicht reingegangen, hätte es keine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Ort gegeben“, glaubt Jörg. Zeitzeugen und die, die sich dagegen gewehrt haben, den „Knast“ zu beziehen, seien heute der Meinung, dass die Initiative eine gute Entscheidung getroffen habe.

So können solche Momente wie der eingangs beschriebene entstehen. Der Mann berichtet, dass er von Bhutan nach Griechenland geflohen und abgeschoben worden sei. 22 Jahre sei er alt gewesen und hätte einen Monat in einer Einzelzelle ohne Toilette verbracht. Er finde es gut, dass solch ein Ort heute für soziale Projekte genutzt werde.

„Faites votre jeu!“ unterhält heute im „Klapperfeld“ eine Fahrradwerkstatt, mehrere Proberäume und eine Bar. „Das Wichtigste sind aber unsere Ausstellungen“, sagt Jörg. Die eine beschäftigt sich mit der Zeit, als das Gebäude als Abschiebegefängnis diente, die zweite im Keller mit der, als Juden, Sinti und Roma und Kommunisten hier von den Nationalsozialisten inhaftiert wurden, bevor sie sie in Konzentrationslager deportierten.

Und so verbindet die Initiative auch am Samstag politische Inhalte mit dem Sommerfest zu ihrem siebenjährigen Bestehen. Führungen durch die Ausstellungen und ein antirassistischer Stadtrundgang bildeten das Politische, Konzert, Party, Essen und Trinken das Vergnügliche.


Frankfurter Rundschau, 02.08.2015
Von Milan Jaeger