Zehn Jahre später

Aktivisten des Projekts Faites votre jeu! überkleben eine Plakatwand an der Mauer des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld in Frankfurt am Main mit einem Plakat. Es zeigt eine Seite aus dem Ausstellungskatalog Gesellschaft mit beschränkter Haftung von Andreas Siekmann (Portikus, Frankfurt: 07.08.99 – 19.09.99). Zu sehen ist eine Fotografie der gleichen Plakatwand mit einer Zeichnung Siekmanns aus der Serie Falsche Freiheit Frankfurt.

Martin Stiehl, Zehn Jahre später, Video auf Monitor, 6:36 min, 2010

Wie läuft das hier?

Auf unserem Plenum haben wir in den letzten Monaten immer wieder über unser politisches Selbstverständnis diskutiert. Ein Ergebnis dieser Diskussion ist der hier veröffentliche Text mit dem wir unser Projekt und die Art unserer Organisierung darstellen und transparent machen wollen.

Gleichzeitig wollen wir damit klarmachen, was in unseren Räumen geht und was mit uns nicht zu machen ist. Dieser Text ersetzt auch die veraltete Selbstdarstellung auf dieser Seite, die sich noch auf die Besetzung des ehemaligen Jugendzentrums in Bockenheim bezogen hatte.

Wie läuft das hier?

Was im Klapperfeld geht, was nicht geht und wer das entscheidet

I. »En garde!« Wir sind ein politisches Projekt.

Wir, der Zusammenschluss »Faites votre jeu!«, haben im August 2008 das frühere Jugendzentrum in der Varrentrappstraße 38 besetzt, um der repressiven Umstrukturierung des städtischen Raums den Versuch eines selbstverwalteten, unkommerziellen Zentrums entgegenzustellen. Im Februar 2009 haben wir uns entschlossen, in das ehemalige Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße 5 umzuziehen (hier: »das Klapperfeld«), das von der Stadt Frankfurt unter dem Druck der breiten Unterstützung für unser Projekt als Ersatzobjekt angeboten worden ist. Innerhalb kurzer Zeit ist das Klapperfeld zum Magneten für viele Menschen geworden, die unser Bedürfnis nach gegenkulturellen Räumen teilen. Es ist auch zum Anlaufpunkt für Menschen geworden, die zur Ausrichtung unseres Projekts keine erkennbare Beziehung haben. Dieser Umstand ist von uns mit verursacht worden, denn bislang haben wir unser politisches Selbstverständnis inhaltlich nicht hinreichend bestimmt und unsere Organisationsstruktur kaum nach außen transparent gemacht. Als ein Ergebnis unserer Auseinandersetzung damit ist dieser Text entstanden.

Wir wissen um das Problem, dass das Verwirklichen von »Freiräumen« und »Selbstbestimmung« unter den Bedingungen von Herrschaftsverhältnissen, die jeden Bereich des gesellschaftlichen Zusammenlebens durchwirken, unvollkommen bleiben muss. Wir sind uns auch den Herausforderungen unserer Entscheidung bewusst, emanzipative Kultur und Politik in einem Gebäude entwickeln zu wollen, das für Unterwerfung, Disziplinierung und Zwang geschaffen und genutzt worden ist. Doch auch im Klapperfeld ist es weiterhin unser Anspruch, auf solidarischer Basis ein Maximum an Selbstbestimmtheit zu verwirklichen. Dieser Anspruch beinhaltet nicht allein ein Maximum an Freiheit von kapitalistischen Verwertungszwängen und staatlicher Macht, sondern insbesondere auch ein Maximum an Freiheit von diskriminierenden Ungleichheits- und Ungleichwertigkeitsideologien bzw. -praktiken.

II. Das Klapperfeld ist ein offener Raum.

Wir sind keine geschlossene Gruppe sondern offen für alle, die den uns zur Verfügung stehenden Raum im oben skizzierten Sinne mitgestalten bzw. bespielen wollen. Realisierbar sind z. B. Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Lesungen oder Filmvorführungen. Auch nicht-öffentliche Veranstaltungen sind denkbar, etwa Gruppentreffen oder Workshops. Die längerfristige Nutzung von Räumen durch Kunstproduzent_innen – z. B. als Atelier oder Proberaum – ist momentan allerdings schwierig, da alle infrage kommenden Räume belegt sind.

Für Vorschläge sind wir auf verschiedenen Wegen ansprechbar: Persönlich (z. B. an einem der regelmäßig stattfindenden Barabende), per Post (»Faites votre jeu!« / Klapperfeldstraße 5 / 60313 Frankfurt), telefonisch (0160-95656439) und am liebsten per E-Mail: faitesvotrejeu [ät] yahoo.com. Da uns relativ viele Anfragen erreichen, bitten wir euch, zunächst eine Beschreibung des Vorhabens per E-Mail zu schicken. Wir melden uns, sobald das Plenum (s. u.) besprochen hat, ob sich das Vorhaben im Klapperfeld realisieren lässt, und dann sehen wir weiter. Das dauert im Idealfall wenige Tage, unter Umständen auch zwei Wochen oder länger. Wir haben viel vor und sind keine Dienstleistungsagentur.

III. Das Klapperfeld ist kein Raum der Beliebigkeit.

Wenn ihr das Klapperfeld als aufregende Kulisse für euren nächsten Betriebsausflug nutzen möchtet, schon immer ein stylisches Schuhgeschäft in einer Zelle eröffnen wolltet oder gerne die kommende Jahresversammlung eurer Reservistenkameradschaft hier ausrichten würdet, schreibt uns bitte gar nicht erst. Das Diskutieren von Anfragen für Vorhaben, die im Klapperfeld von vorneherein keinen Sinn machen, geht zu Lasten der Verwirklichung anderer Projekte und blockiert unsere inhaltlichen Auseinandersetzungen.

Die hier verwirklichten Vorhaben sollten in erkennbarer Beziehung zu unserem Projekt stehen. Das schließt Vorhaben aus, die kommerziell orientiert sind, im Klapperfeld nur eine exotische Bühne sehen (»mal was anderes«) oder Menschen ausgrenzen (weil sie z. B. zu wenig Geld haben oder Diskriminierung befürchten müssten). Bitte denkt auch daran, dass die Räume relativ klein und für Veranstaltungen schlecht geeignet sind, die einen massenhaften Andrang erwarten lassen. Auch als Schlafplatz für durchreisende Künstler_innen oder andere Gäste eignet sich das Gebäude leider nicht.

Für Barabende oder andere Veranstaltungen mit Party-Charakter kann das Klapperfeld prinzipiell genutzt werden – besonders gerne dann, wenn die Einnahmen einem solidarischen Zweck zugute kommen. Allerdings kann unseres Erachtens ein Gebäude, in dem Menschen gefoltert und aus dem noch vor wenigen Jahren Flüchtlinge deportiert wurden, nicht einfach eine Party-Location sein. Die Dauerausstellung im Keller ist auch während Barabenden geöffnet, um es Besucher_innen zu ermöglichen, sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen. Barabende sollten nicht in einer Weise ausarten, die solche Auseinandersetzungen verunmöglichen würden. Die Grenze dahin können wir selbst nicht sicher bestimmen, wohl aber einige Vorschläge machen, wie Veranstaltungen »beherrschbar« bleiben – z. B. durch den Verzicht auf Hart-Alk, ein relativ frühes Veranstaltungsende oder die Begrenzung der Musiklautstärke. Wer das Klapperfeld für Barabende o. ä. nutzen möchte, sollte diese Aspekte bereits in der Konzeption berücksichtigen. Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, was für Events wir hier jedenfalls nicht wollen.

Niemand bekommt Geld dafür, hier zu arbeiten. Erwartet bitte keinen »Service« und schickt uns keine Stellengesuche. Wir wollen generell keine Dienstleistungssituation mit »Betreiber_innen« auf der einen und »Nutzer_innen« auf der anderen Seite entstehen lassen.

IV. Do It Yourself!

Das Klapperfeld ist nicht, das Klapperfeld wird gemacht. Die Entwicklung des Raums ist das – niemals abgeschlossene – Ergebnis der vielfältigen Aktivitäten derer, die ihn nutzen und dadurch lebendig machen. Die Entscheidungen über alle Formen der Nutzung werden auf dem wöchentlichen Plenum getroffen, das allen offen steht, die sich beteiligen möchten. Das Plenum wird von manchen regelmäßig und von manchen eher sporadisch besucht – es gibt weder eine formelle Mitgliedschaft, noch informelle Teilnahmezwänge. Allerdings erwarten wir von Gruppen, die das Klapperfeld regelmäßig nutzen, dass sie Leute ins Plenum schicken, um eine beständige Kommunikation in beide Richtungen zu gewährleisten. Wer im Klapperfeld ein Vorhaben realisiert, kommt zum vorherigen Plenum, um für eventuelle Rückfragen hinsichtlich der Technik o. ä. persönlich ansprechbar zu sein.

Wo Menschen interagieren, entstehen Hierarchien – auch in unserem Plenum. Unsere Organisationsstruktur folgt der Maxime, diese so gering wie möglich zu halten und wo immer möglich abzubauen, was beinhaltet, dass sie transparent und angreifbar gemacht werden. Es gibt keine »Chef_innen«, auch nicht für bestimmte Zuständigkeitsbereiche; die Verantwortlichkeit für einzelne Aufgaben wird regelmäßig weitergegeben. Aus dem Plenum heraus entstehen eigenständige Arbeitsgruppen. Einige von ihnen arbeiten kontinuierlich – etwa der Geschichts-AK, der sich mit der Vergangenheit des Gebäudes auseinandersetzt –, andere werden temporär gebildet, um z. B. einen bestimmten Raum zu gestalten.

Auch abseits des Plenums und der AGen gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Dazu zählt insbesondere der Umsonst-Laden, wo brauchbare Dinge mitgenommen oder abgegeben werden können – ohne Geld und ohne Tausch. Regelmäßig finden gemeinsame Renovierungs- und Putztage statt, die wir am schwarzen Brett im Flur ankündigen.

Unsere Organisationsstruktur ist ein dynamischer Bestandteil unserer Praxis und wird nicht in einem Statut o. ä. münden. Nur eins steht fest: Wir gestalten unsere Organisierung nach der Maßgabe unserer Ziele und Bedürfnisse, nicht nach einem institutionalisierten Korsett.

»Faites votre jeu!«, im Januar 2009

Solidarität mit dem Hausprojekt Liebig 14

Die Initiative »Faites votre jeu!« erklärt sich solidarisch mit dem akut von Räumung bedrohten autonomen Wohn- und Kulturprojekt Liebig 14 in Berlin.

Den von uns unterstützten Aufruf könnt hier als pdf herunterladen oder unter folgender Adresse online lesen: http://wba.blogsport.de/tagx-liebig-14/unterstuetzungs-aufruf/

Weitere Infos zum Kampf um das Hausprojekt in der Liebigstraße 14 findet ihr auf der Website der Kampagne »Wir bleiben alle!« unter http://wba.blogsport.de/tagx-liebig-14/, auf der Website des Projekts auf http://www.wix.com/liebig14/home und auf dem Blog des Projekts auf http://liebig14.blogsport.de/

Keine Räumung von selbstverwalteten, emanzipatorischen Projekten – weder in Berlin noch anderswo! Wir bleiben alle!

Solidaritätserklärung für die geräumten Besetzer_innen des Casinos auf dem I.G.-Farben-Campus

Anlässlich der brutalen Räumung des von Studierenden besetzten Casinos auf dem I.G.-Farben-Campus erklären wir unsere Solidarität mit den streikenden und protestierenden Studierenden und ihrer Besetzung.

Die gesamte Erklärung könnt ihr als pdf herunterladen: download

Weitere Infos zur Besetzung und dem aktuellen Bildungsstreik finet ihr auf: www.bildungsstreik-ffm.de

»Faites votre jeu!« sucht Zeitzeug_innen zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld«

Nach einer gelungenen Ausstellungseröffnung und weiterer Recherche zur Geschichte des alten Polizeigefängnisses »Klapperfeld« in Frankfurt, sucht die Initiative »Faites votre jeu!« nun weitere Zeitzeug_innen, welche etwas über die Ereignisses im damaligen Gefängnis »Klapperfeld« berichten können.

Dazu Maja Koster: »Von vornherein hatten wir klargestellt, dass es für uns unvorstellbar ist, ein Gebäude wie das ehemalige Gefängnis ›Klapperfeld‹ ohne geschichtspolitische Auseinandersetzung unreflektiert zu nutzen. Dies ist auch der Grund, warum wir die Ergebnisse unserer Arbeit in Form einer Dauerausstellung vorstellen. Wir verstehen unsere Arbeit zur Geschichte des ›Klapperfeldes‹ jedoch als kontinuierlichen Prozess. Um mehr über die Vergangenheit des Gefängnisses heraus finden zu können, hoffen wir nun Zeitzeug_innen zu finden, welche uns von dortigen Ereignissen berichten können. Es ist uns wichtig nicht nur die Ereignisgeschichte durch Dokumente darzustellen, sondern auch die Erlebnisberichte einzelner Menschen aufzuzeigen und so der sozialen Wirklichkeit, eingebettet in den gesellschaftlichen Kontext, mehr Raum zu geben.«

Bereits bevor die Initiative der Nutzung des alten Polizeigefängnisses zugestimmt hatte, machte sie mehrfach deutlich, dass es für sie Grundvoraussetzung ist, sich eingehend mit dem Bau und seiner über hundertjährigen Geschichte zu beschäftigen. Der heutige Standort des »Klapperfeldes« war schon lange Zeit Ort der Ausgrenzung.

Bereits im 16. Jahrhundert befand sich dort ein Pest- und später ein Armen-, Waisen- und Zuchthaus. 1886 wurde an dieser Stelle das Gefängnis zusammen mit dem inzwischen nicht mehr existierenden Polizeipräsidium fertiggestellt. Ab 1933 diente das Gefängnis in der Klapperfeldstraße der Frankfurter Gestapo zur Inhaftierung und Folter. Trotz dieser Nutzung durch die Gestapo wurde das Gefängnis auch nach 1945 als solches genutzt. Insbesondere während der Studierendenproteste der 60er Jahre gewann das Gefängnis für den staatlichen Repressionsapparat aufgrund der hohen Zahl von Verhaftungen an Bedeutung. Auch bei anderen Demonstrationen wurden zahlreiche Demonstrant_innen in vorübergehenden Gewahrsam genommen, wie z.B. bei den Protesten gegen die Startbahn West. In den letzten Jahren der Nutzung diente das Gebäude vor allem als Abschiebegefängnis.

Ein Programm in einem solchen Gebäude zu gestalten, ohne kritische geschichtspolitische Auseinandersetzung zu nutzen, ist für die Initiative unvorstellbar.

Persönlichen Erfahrungen oder Dokumenten wie Briefe, Tagebucheinträge oder Fotografien, in Bezug auf die verschiedenen Zeitperioden des alten Gefängnisses »Klapperfeld«, sollen dabei helfen die Geschichte und die verschiedenen Ereignisse, welche dort stattgefunden haben, zu rekonstruieren.

Maja Koster argumentiert: »Ohne Zeitzeug_innen kann keine Geschichte und keine soziale Wirklichkeit rekonstruiert und dargestellt werden. Es ist uns sehr wichtig persönliche Erfahrungen in Bezug auf das ›Klapperfeld‹ zu skizzieren, um so die Geschichte des alten Gefängnisses im gesellschaftlichen Kontext besser darstellen zu können.«

Wenn Sie der Initiative »Faites votre jeu!« helfen können, Informationen zu der Geschichte des alten Polizeigefängnisses »Klapperfeld« zu finden oder etwas über die dortigen Schicksale und Ereignisse berichten können, melden Sie sich bitte bei dem Arbeitskreis Geschichte der Initiative »faites votre jeu!« unter: ed.oo1775419985hay@d1775419985lefre1775419985ppalk1775419985.ethc1775419985ihcse1775419985g1775419985 oder unter der Telefonnummer: 0163-9401683.


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Besetzung in Erfurt

Nachdem am frühen Morgen des 16. April diesen Jahres das seit acht Jahren bestehende »Besetzte Haus« auf dem Topf & Söhne-Gelände in Erfurt durch ein martialisches Polizeiaufgebot geräumt worden war, gab es dort kein selstverwaltetes Zentrum mehr.

Um so erfreulicher ist es, dass heute, am 22. November, die Besetzung eines ehemaligen »Keglerheims« in Erfurt öffentlich gemacht wurde. Das besetzte Gebäude wird seit dem 3. August als Wohnprojekt genutzt, in dem einige ehemalige Besetzer_innen des im April geräumten Topf & Söhne- Geländes leben. In den letzten Monaten wurden Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Die Besetzer_innen planen das seit mehreren Jahren leerstehende Gebäude, als ein sozial-politisch-kulturelles Zentrum selbstverwaltet zu betreiben.

Wir erklären uns solidarisch mit den Besetzer_innen und unterstützen ausdrücklich die Forderung einer langfristigen Nutzung des besetzen »Keglerheims«.

Einen Liveticker und weitere Infos findet ihr auf haendehoch.blogsport.de, bei Indymedia und bei YouTube.

Dienstag, 6. Oktober 2009, 19.00 Uhr: »Grenzerfahrungen – No Boder Camp Lesvos 09«

Politischer Reisebericht zu Theorie und Praxis des EU-Grenzregimes und des »No-Border-Camps« auf Lesvos im August 2009 mit Bildern, Videos und Ouzo-Bar.

Begleitende Fotoausstellung von 1. bis zum 17. Oktober 2009

Fotoausstellung: Grenzerfahrungen – No Boder Camp Lesvos 09
Im August diesen Jahres fand auf der griechischen Insel Lesvos ein »No-Border-Camp« statt. 500 Aktivist_innen aus ganz Europa waren nach Lesvos gekommen, um auf die Situation der Migrant_innen und Flüchtlinge dort aufmerksam zu machen und gegen die repressive Abschottungspolitik der EU zu demonstrieren. Die Austellung vermittelt einen Eindruck von der Situation auf der Insel, den Praxen der griechischen Asylpolitik und den Aktionen der »noborders«.

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 18 bis 21 Uhr

Großes Interesse bei Ausstellungseröffnung

Am Sonntag, den 9. August wurde der erste Teil der Dauerausstellung über die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld« eröffnet. Über hundert Leute kamen am Nachmittag ins Klapperfeld, um sich die Ausstellung über die nationalsozialistische Vergangenheit des ehemaligen Polizeigefängnisses anzusehen.

Es freut uns sehr, dass das Interesse so groß ist, zumal die Resonanz durchweg positiv war. Ganz besonders herzlich möchten wir uns bei allen bedanken, die uns mit Materialien, Kritik, Ratschlägen, Kontakten oder Spenden weitergeholfen haben.

Die Ausstellung ist derzeit immer parallel zu den jeweiligen im Programm angegebenen Öffnungszeiten des »Klapperfeldes« zugänglich. Darüber hinausgehende Öffnungszeiten und Termine für in Planung befindliche Führungen stehen derzeit noch nicht fest, werden aber auf jeden Fall im Internet auf dieser Seite angekündigt.

Eine gesonderte Homepage des Arbeitskreises Geschichte befindet sich im Aufbau, bald werden dort nähere Informationen zur Geschichte des Klapperfelds und der Ausstellung veröffentlicht. Der Flyer »Was ist das hier?« des Arbeitskreises Geschichte gibt einen vorläufigen kurzen Überblick der Knast-Historie. Pünktlich zur Ausstellung ist dieser in zweiter, überarbeiteter Auflage erschienen und kann hier als pdf heruntergeladen werden. Der Arbeitskreis Geschichte der Initiative »Faites votre jeu!« ist bis auf Weiteres über die Adresse der Initiative (faitesvotrejeu [ät] yahoo.com) erreichbar.

Presseberichte zur Eröffnung der Dauerausstellung:

Die Opfer bekommen eine Stimme
Frankfurter Neue Presse, 11.08.2009

Geschichten der Gefolterten
Frankfurter Rundschau, 10.08.2009

Das Schicksal der Sinti und Roma
Hessischer Rundfunk, 10.08.2009

Radiobeitrag: Wie kann das »Klapperfeld« zum Kulturzentrum werden?
Hessischer Rundfunk (HR2 & HRinfo), 10.08.2009

Ausstellung: Geschichte von ehemaliger Haftanstalt
Frankfurter Neue Presse, 09.08.2009 (Online-Ausgabe)

Gestapo im Klapperfeld
Frankfurter Rundschau, 06.08.2009

Blinder Fleck belichtet (Leitartikel)
Frankfurter Rundschau, 06.08.2009

Eröffnung des ersten Teils der Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld«

Nach einem gelungenen Auftakt im »Klapperfeld« Anfang Juli eröffnet die Initiative »Faites votre jeu!« nun am 9. August den ersten Teil ihrer Dauerausstellung zur Geschichte des Gefängnisses »Klapperfeld« in Frankfurt.

»Von vornherein hatten wir klargestellt, dass es für uns unvorstellbar ist ein Gebäude wie das ehemalige Gefängnis ›Klapperfeld‹ ohne geschichtspolitische Auseinandersetzung unreflektiert zu nutzen. Dies ist auch der Grund, warum wir nun die ersten Ergebnisse unserer Arbeit in Form einer Dauerausstellung vorstellen wollen.« Abgeschlossen ist dies für Imke Kurz, eine Vertreterin der Initiative, jedoch nicht. »Wir verstehen unsere Arbeit zur Geschichte des ›Klapperfeldes‹ als kontinuierlichen Prozess. Unsere Recherchen sind erst in den Anfängen und wir werden diese fortsetzen um mehr über die Vergangenheit des Klapperfeldes heraus zu finden.«

Der erste Teil der Dauerausstellung beschäftigt sich mit der NS-Vergangenheit des Gefängnisses. Während des Nationalsozialismus diente es unter anderem der Gestapo zur Inhaftierung zahlreicher Verfolgter. Für viele war das »Klapperfeld« die erste Station, bevor sie in Konzentrationslager deportiert, in andere Gefängnisse gebracht oder hingerichtet wurden. Die Ausstellung zeigt anhand von Tafeln, videografischen Interviews mit Zeitzeug_innen und dazugehörigen Materialsammlungen die ersten Ergebnisse der Recherche des Arbeitskreises Geschichte von »Faites votre jeu!«.

Imke Kurz zeigte sich erfreut über das bisherige Interesse an den Ergebnissen der geschichtspolitischen Auseinandersetzung, macht aber auch deutlich, wie viel Arbeit diese bedeutet: »Wir sind positiv überrascht, dass das Interesse an der Geschichte dieses Ortes so groß ist. Die Arbeit ist jedoch nicht einfach und die Recherche aufwändig, zumal wir uns die Kenntnisse und Methoden in Bezug auf die Arbeit mit historischen Quellen selbst angeeignet haben und nicht über die Mittel großer Institutionen verfügen. Umso erfreulicher ist, dass die Ausstellung nun eröffnet wird.«

Im Anschluss an die Eröffnung besteht die Möglichkeit mit dem Arbeitskreis Geschichte über die Ausstellung zu sprechen.

Sonntag, 9. August 2009 // 16.00 Uhr // Klapperfeldstraße 5:
Eröffnung des ersten Teils der Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld«.

Anhang:


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Gelungener Auftakt im »Klapperfeld«


An dieser Stelle wollen wir uns noch einmal bei allen Besucher_innen bedanken, die zu unserer ersten öffentlichen Veranstaltung seit unserem Umzug in die Klapperfeldstraße 5 gekommen sind. Dass sich so viele Menschen – auch weit über unsere Initiative hinaus – für unser Projekt und insbesondere für die ersten Ergebnisse unserer geschichtspolitischen Auseinandersetzung interessieren, hat uns positiv überrascht, aber auch gezeigt, wie wichtig die kontinuierliche Arbeit unseres Arbeitskreises zur Geschichte des ehemaligen Gefängnisses »Klapperfeld« ist.
Der Veranstaltungsraum war mit etwa 70 Leuten so voll, dass zahlreiche weitere Interessierte der insgesamt an die 250-300 Besucher_innen dieses Abends leider keinen Platz mehr hatten. Bei denjenigen, die leider keinen Platz mehr gefunden haben und nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten, möchten wir uns noch einmal entschuldigen und zumindest auf das erste Informationsblatt unseres Geschichts-AK verweisen. Darüber hinaus wird es im Rahmen der geplanten Ausstellung, deren erster Teil Anfang August eröffnet werden soll, die Möglichkeit geben, die bei der Veranstaltung gezeigten Auszüge aus den Zeitzeugengesprächen zu sehen. Außerdem richten wir zur Zeit ein Archiv ein, in dem alle von uns gesammelten Informationen zur Verfügung stehen werden – unter anderem auch die ungeschnittenen Versionen der Zeitzeugengespräche.

Wir möchten noch einmal darum bitten, dass alle, die uns Informationen zur Geschichte des Klapperfelds liefern können oder uns auf andere Weise bei unserer geschichtspolitischen Auseinandersetzung unterstützen wollen, Kontakt zu uns aufzunehmen.

Zuletzt verweisen wir noch mal auf unsere Veranstaltungsreihe die am Montag, den 6. Juli startet: An diesem ersten Termin wird Jun. Prof. Dr. Bernd Belina vom Institut für Humangeographie der Goethe-Universität unter dem Titel »Räume des strafenden Staates – Gefängnis, Grenze, Stadt« einen Vortrag zu verschiedenen staatlichen Raumproduktionen im Feld »Sicherheit & Ordnung« zum Zweck der Regierung von Bevölkerung halten.

Am Mittwoch, den 15. Juli wird Prof. Dr. Micha Brumlik vom Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe-Universität zur »Bedeutung der Biographieforschung für die Gedenkstättenpädagogik« referieren. In der Veranstaltung wird es um Fragen des Umgangs mit biografischen Interviews und deren Verwendung in der pädagogischen Vermittlung von Geschichte gehen.

Am 20. Juli soll beispielhaft das Interview mit dem KZ Buna/Monowitz-Überlebenden David Salz gezeigt und besprochen werden, das im Rahmen der Erstellung des Wollheim-Memorials entstanden ist. Das Wollheim-Memorial selbst befindet sich auf dem IG-Farben Campus der Frankfurter Universität und verbindet das Gedenken an die Opfer von Buna/Monowitz mit der Geschichte ihrer Verfolgung und Entschädigung.

Was ist das hier?

Erste Informationen des Arbeitskreis Geschichte zum ehemaligen Gefängnis »Klapperfeld«: download pdf

Juli-Programm von »Faites votre jeu!« / Veranstaltungen des Arbeitskreises Geschichte

Nachdem »Faites votre jeu!« Ende April vom einstigen Jugendzentrum in der Varrentrappstraße 38 in das ehemalige Gefängnis in der Klapperfeldstraße 5 umgezogen ist, beginnt am 1. Juli endlich wieder das regelmäßige Programm der Initiative.

Seit dem Umzug ist zur ursprünglichen Arbeit von »Faites votre jeu!« ein neuer Schwerpunkt hinzugekommen. Dazu Imke Kurz, eine Vertreterin der Initiative: »Schon vor dem Umzug hatten wir klargestellt, dass wir unser ursprüngliches Programm ohne kritische geschichtspolitische Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Gefängnis – in dem die Gestapo während des Nationalsozialismus gefoltert und gemordet hatte und das noch bis vor wenigen Jahren zur Inhaftierung von Abschiebehäftlingen genutzt wurde – nicht fortsetzen werden.«

Deshalb startet das Programm am 1. Juli mit einer Veranstaltung, auf der der Arbeitskreis (AK) Geschichte der Initiative die ersten Ergebnisse seiner Arbeit präsentiert. Neben den Auszügen aus Zeitzeugengesprächen mit dem damaligen KPD-Mitglied Hans Schwert – der von der Gestapo zwischen August 1937 und August 1938 im Klapperfeld inhaftiert und gefoltert worden war – und dem Edelweißpiraten Wolfgang Breckheimer – dessen jüdische Mutter erst ins Klapperfeld gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert worden ist, wo sie am 26. Juli 1943 ermordet wurde – sollen auch die Arbeit und die Ziele des AK-Geschichte erläutert werden.

Schwerpunkt der Arbeit des AK-Geschichte ist zur Zeit die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Gebäudes. Dennoch sollen im Laufe der Zeit auch den anderen Teilen der Geschichte ausreichend Raum gegeben werden. Dazu Kim Wellner aus dem AK-Geschichte: »Neben der Präsentation unserer ersten Ergebnisse startet am 6. Juli auch unsere Veranstaltungsreihe, mit der wir die geschichtspolitische Auseinandersetzung auf verschiedenen Ebenen fördern, aber auch die grundlegenden Fragen über die Bedeutung und Funktion der Institution Gefängnis in unserer Gesellschaft behandeln wollen.«

Am 6. Juli wird Jun. Prof. Dr. Bernd Belina vom Institut für Humangeographie der Goethe-Universität unter dem Titel »Räume des strafenden Staates – Gefängnis, Grenze, Stadt« einen Vortrag zu verschiedenen staatlichen Raumproduktionen im Feld »Sicherheit & Ordnung« zum Zweck der Regierung von Bevölkerung halten. Am Mittwoch, den 15. Juli wird Prof. Dr. Micha Brumlik vom Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe-Universität zur »Bedeutung der Biographieforschung für die Gedenkstättenpädagogik« referieren. In der Veranstaltung wird es um Fragen des Umgangs mit biografischen Interviews und deren Verwendung in der pädagogischen Vermittlung von Geschichte gehen. Am 20. Juli soll beispielhaft das Interview mit dem KZ Buna/Monowitz-Überlebenden David Salz gezeigt und besprochen werden, das im Rahmen der Erstellung des Wollheim-Memorials entstanden ist. Das Wollheim-Memorial selbst befindet sich auf dem IG-Farben Campus der Frankfurter Universität und verbindet das Gedenken an die Opfer von Buna/Monowitz mit der Geschichte ihrer Verfolgung und Entschädigung.

Darüber hinaus eröffnet am 10. August eine Ausstellung des Fördervereins Roma e.V., die anlässlich des 65. Jahrestag der Liquidation des sogenannten »Zigeunerlagers« in Auschwitz, die Ermordung von fast 3.000 Sinti und Roma an diesem Tag thematisiert. Gleichzeitig wird der erste Teil der Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfelds – mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus – eröffnet.

Anhang:


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